Pflegekräfte aus dem Osten

Fürsorge kann grenzenlos sein

Österreich investiert nur sehr zögerlich in soziale Dienstleistungen. In vielen Fällen ruht die 24-Stunden-Pflege auf den Schultern von Frauen aus Osteuropa, die ihre Heimat verlassen und sich statt um die eigene Familie um pflegedürftige Österreicher kümmern.

Vor allem Frauen pflegen

In der häuslichen Pflege arbeiten vor allem Frauen aus Osteuropa – zwar zu Niedriglöhnen, aber immerhin nicht mehr in einer rechtlichen Grauzone, denn auch das ausländische Pflegepersonal muss eine entsprechende Schulung machen, bei der Wirtschafts-kammer Österreich registriert sein, einen Gewerbeschein haben und Steuer und Sozialversicherung laut Werkvertragsregelung bezahlen.Ungefähr 35.000 Osteuropäerinnen, vor allem aus der Slowakei, betreuen derzeit bedürftige Menschen in ihren eigenen vier Wänden.

Diverse Agenturen vermitteln per Internet Pflege- und Haushaltskräfte für die häusliche Pflege. Trotz abgeschlossener Ausbildung erhalten viele der Frauen aus Osteuropa zwar mehr als in ihrem Herkunftsland, aber nur 25 bis 50 % einer in Österreich tätigen Pflegerin. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mit den gängigen Stundenlöhnen wäre zudem von den meisten Betroffenen nie und nimmer zu finanzieren.

Die Kosten für die häusliche 24-Stunden-Betreuung hängen von vielen Faktoren ab. So macht es einen Unterschied, wo in Österreich eine pflegebedürftige Person wohnt. Dann hängt der Preis noch von Pflegegeld bzw. Pflegestufe sowie dem gewährten Zuschuss ab. Für vier Wochen Rundum-Betreuung in Wien und Umgebung werden von der Agentur beispielsweise 1.516 Euro in Rechnung gestellt, abzüglich Pflegegeld und Zuschuss (bei Pflegestufe 3) ist von den Betroffenen ein monatlicher Gesamtpreis von 523,10 Euro zu entrichten.

Österreich profitiert

„Österreich ist, nicht zuletzt wegen geringer Geburtenraten und Überalterung wie andere Staaten in Europa auch, auf Zuwanderung angewiesen: um dem Fachkräftemangel zu begegnen und um Wirtschaftswachstum sowie Wohlstand zu sichern“, schreibt Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin der Tageszeitung „Der Standard“. „Außerdem verrichten diese Menschen Tätigkeiten, die bei Österreichern nicht besonders beliebt oder aus Zeitgründen nicht möglich sind.“ Österreich profitiere jedenfalls vom Neuzuzug der Pflegerinnen, die dem Staat Mehreinnahmen von etliche Millionen Euro bringen. Selbst unter Abzug der Sozialausgaben bleibt immer noch ein Plus übrig.

@FOTO: GETTY IMAGES

 

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