Pflegeberuf

Pflege ist weiblich

Dem wachsenden Anteil der älteren Bevölkerungsgruppen und ihrem Bedürfnis nach größtmöglicher Selbstständigkeit steht ein kleiner werdender Anteil an Pflegepersonal gegenüber.

Gemessen in Vollzeitäquivalenten arbeiten in der Pflege und Betreuung knapp 50.000 Menschen, der Großteil davon im stationären Bereich. Die Rahmenbedingungen sind aber unbefriedigend. Der Frauenanteil liegt in der stationären Pflege bei 81 %, in der mobilen Pflege und Betreuung bei 93 %. Der Teilzeitanteil beträgt in der stationären Pflege 51 %, in der mobilen Pflege 88 %. Und der hohe Teil zeitanteil führt zu einem niedrigeren Einkommen und fehlenden Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten. Andererseits steigen Arbeitsdruck und Überstunden.

Ein niedriger Verdienst

So bezieht eine Diplom-Krankenschwester ein Nettoanfangsgehalt von ca. 1.500 Euro und hat einen Nettoendbezug von ca. 1.779 Euro. Pflegehelfer beginnen mit ca. 1.380 Euro netto und haben einen Endbezug von ca. 1.539 Euro netto. Dazu Anita Sautner, stv. Oberschwester und Personalvertreterin im Wiener Krankenanstaltenverbund: „Die Umstellung auf Ein- und Zweibettzimmer war zwar eine wichtige Verbesserung für die Patienten. Sie wurde jedoch aufgrund der knappen Personalausstattung zur Belastung für die Beschäftigten.“ Das durchschnittliche Alter der Pflegekräfte liegt zwischen 48 und 52 Jahren, in manchen stationären Bereichen sogar weit darüber und das Personalkonzept nimmt aber keine Rücksicht auf Alter und gesundheitliche Situation der Mitarbeiter. Arbeiterkammer Präsident Rudolf Kaske fordert „einen Ausbau der professionellen Dienstleistungen und österreichweit einheitliche Standards“.

Fehlendes Verständnis

Einerseits fehle das gemeinsame Verständnis, was „gute Pflege und Betreuung“ sei. Andererseits gebe es keine gemeinsame Datengrundlage, auf deren Basis dieses Verständnis und damit gemeinsame Zielvorgaben für Angebot und Qualität entwickelt werden könnten. „Qualitätsstandard und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten sind kommunizierende Gefäße. So kann das Stundenausmaß, mit dem konkrete Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Körperhygiene und Medikamentenabgabe veranschlagt werden, stark variieren und damit auch der Arbeitsdruck“, hält Arbeiterkammer-Präsident Kaske fest. Ebenso ist es mit dem Personalschlüssel in den Heimen. Weniger Arbeitsdruck für die Beschäftigten bedeutet mehr Zeit für die Pflegebedürftigen. Eine gerechte Bezahlung bedeutet höhere Motivation. „Der Pflegefonds ist ein wichtiger Impuls für den Ausbau der professionellen Pflege und Betreuung“, erklärt Kaske. „Zudem brachte er wesentliche Verbesserungen für die Datenlage: Seit drei Jahren müssen die Länder nach einer vorgegebenen Definition erbrachte Leistungen, die jeweils betreuten Personen, die Beschäftigten, die Kosten für das Bundesland und die Kostenbeiträge melden.“ Diese Daten reichen aber noch nicht aus. Pflegebedürftige der gleichen Pflegestufe können nicht überall mit demselben Angebot rechnen. Das hat große Auswirkungen auf die Lebensqualität und insbesondere auf die Autonomie der Betroffenen.

@FOTO: SAMARITERBUND

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