Pflege in Österreich

Österreich hat Aufholbedarf

Laut einem neuen EU-Bericht hat Österreich seine Hausaufgaben in Sachen Altenpflege noch nicht erledigt. Es fehlen verbindliche Daten zum tatsächlichen Bedarf sowie einheitliche Standards.

Status Langzeitpflege
Kurz vor Ferienbeginn hat die europäische Kommission einen Bericht zu Langzeitpflege veröffentlicht. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, dem Sozialwerk der evangelischen Kirchen in Österreich, dazu: „Die Europäische Kommission zeigt mit diesem Bericht die Dringlichkeit auf, mit der wir uns auf die kommenden Jahre vorbereiten müssen.“ In Österreich wird sich der Anteil von über 85-Jährigen bis zum Jahr 2045 verdoppeln, der Anteil der über 65-Jährigen wächst bis 2045 von 18,1 % auf 26,7 %. Die Ausgaben der öffentlichen Hand liegen derzeit bei 1,6 % des BIP, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im EU-27-Durchschnitt. Hier sind die vielen Stunden, die Angehörige bei der Pflege selbst erbringen, nicht eingerechnet. „Knapp zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Österreich werden ausschließlich durch Angehörige betreut – die Regierung muss diesen Menschen mehr Anerkennung zollen und mehr in die Entlastung der pflegenden Angehörigen investieren“, sagt Chalupka. Es brauche flächendeckend leistbare Angebote wie Tageszentren für Senioren, Kurzzeitpflege und mobile Pflege.

Aber nicht nur laut diesem EU-Bericht hat Österreich seine Hausaufgaben nicht erledigt. Auch im Nationalen Reformprogramm findet sich Kritik. „Die reine Fortschreibung des Pflegefonds wird im Reformprogramm kritisiert – zu Recht, denn obwohl das Regierungsprogramm einige wichtige Punkte vorsieht, ist Österreich die großen Reformen in der Pflege bis jetzt nicht angegangen“, sagt Chalupka. Die Diakonie fordert Bund und Länder daher auf, mutige Reformen anzupacken. Wichtige „Baustellen“ dabei sind: die Integration zwischen Gesundheits- und Sozialwesen, der Ausbau von Dienstleistungen und das Durchsetzen nationaler Qualitätsstandards in der Pflege. Eine entsprechende einheitliche Datengrundlage zu schaffen, wäre der erste Schritt. „Dass dem Fehlen von nationalen Daten ein eigenes Kapitel im EU Bericht gewidmet wird, spricht Bände“, kritisiert Chalupka. „Wir dürfen nun keine Zeit verlieren, denn Österreich hat in den nächsten Jahren einiges aufzuholen.“

Hart an der Grenze
Auch der 13. Österreichische Kongress für Führungskräfte in der Altenpflege, der kürzlich unter dem Motto „Hart an der Grenze“ stattfand, befasste sich mit den in den letzten Jahren grundlegend veränderten, immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen in der stationären Altenpflege. Rund 450 Führungskräfte aus den österreichischen Heimen sowie aus dem benachbarten Ausland nahmen daran teil. Der wachsende Anteil von Menschen mit Demenz sowie der steigende Pflegebedarf bei gleichzeitig sinkender Verweildauer in den Heimen verlangen nach neuen Pflege- und Betreuungskonzepten und rücken die Hospiz- und Palliativpflege (Sterbebegleitung) immer stärker in den Vordergrund. „Die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen konnten mit dieser Entwicklung teilweise jedoch nicht Schritt halten“, so der Präsident des Bundesverbandes der Alten- und Pflegeheime Österreichs (Lebenswelt Heim), Markus Mattersberger.

@FOTO: FOTOLIA.COM

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