Qualitätsstandards für die mobile Pflege

Spricht man von Qualitätsmerkmalen in der Pflege, können sogar Fachkundige rasch den Überblick verlieren, noch viel schwieriger ist es für die vielen nicht professionellen BetreuerInnen. Der Smartguide und Care Trend helfen Ihnen, das Thema „Qualitätsmerkmale in der Pflege“ besser zu verstehen.

Ob mobile oder stationäre Pflege, ob geförderte oder nicht geförderte Leistungsangebote, die Einhaltung von gesetzlich geregelten Anforderungen zur Qualitätssicherung in der Pflege sollte allen ein Anliegen sein.
Obwohl die Anforderungen nach Bundesland variieren, muss jeder Anbieter von Pflegeangeboten eine Betriebsbewilligung anfordern und entsprechende Mindestkriterien (zum Beispiel Personalkapazitäten, Dokumentationsqualität u. v. m.) erfüllen. Um diese Anforderungen auch in der Praxis sicherzustellen, werden (je nach Bundesland) unterschiedliche Qualitätskontrollen und Überprüfungen von Behörden und unabhängigen Einrichtungen durchgeführt.
Neben der Sicherung von BewohnerInnenrechten sind die Anbieter von Pflegeangeboten gefordert, auch an der Qualität ihrer Dienstleistung zu arbeiten. Dies soll nicht willkürlich passieren, sondern die Qualität muss unter klaren methodischen Bedingungen sowie wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt werden. So befasst sich die Hochschule Osnabrück mit der Entwicklung von evidenzbasierten Expertenstandards in der Pflege. Diese helfen Risikofaktoren in der Pflege (Sturzrisiko, Risiko für Druckgeschwüre, Immobilitätsrisiko etc.) frühzeitig zu erkennen und abzuwenden sowie bereits eingetretene Pflegephänomene (z. B. Dekubitus oder Mangelernährung) nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen pflegerisch zu versorgen.
In Wien wurden gezielte Handlungsleitlinien für die mobile Betreuung und Pflege entwickelt, die bereits die Expertenstandards integrieren. Einige innovative Pflegeanbieter erheben sogar Kennzahlen zu Risikofaktoren sowie eingetretenen Pflegephänomenen und nutzen diese Pflegekennzahlen zur Beurteilung ihrer eigenen Dienstleistungsqualität.
Die professionelle Pflege hat somit viel zu bieten und verfügt über zahlreiche Instrumente, um die Qualitätsmerkmale ihrer Dienstleistung zu gewährleisten und in einem Höchstmaß sicherzustellen.

24-Stunden-Betreuung
Wendet man sich jedoch dem Gewerbe der Personenbetreuung zu, so wird rasch klar, dass die 24-h-Betreuung diesen Anforderungen noch nicht gewachsen ist. Zwar gibt es rechtliche Grundlagen zur Ausübung des Gewerbes sowie Vorgaben zur Durchführung der Personenbetreuung, die Absicherung der Pflege in der 24-h-Betreuung lässt jedoch viel Interpretationsspielraum. Oben angeführte Kontrollen durch unabhängige Stellen und behördliche Kontrollen sind im Rahmen der 24-h-Betreuung nicht gesetzlich verankert. Lediglich im Rahmen der Inanspruchnahme von Förderungen gemäß dem Bundespflegegeldgesetz (erst ab Pflegegeldstufe 3 möglich) können Hausbesuche durch den Zuschussgeber (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz) veranlasst werden.
Das Wort „Betreuung“ hat in den häufigsten Fällen nur sehr wenig mit der tatsächlichen Tätigkeit der PersonenbetreuerInnen zu tun. Die „Pflege“ spielt in der 24-h-Betreuung eine immer stärker werdende Rolle und darf, um die Sicherheit der Personen mit Pflegebedarf zu gewährleisten, nicht außer Acht gelassen werden. In der täglichen Praxis muss leider immer wieder die Erfahrung gemacht werden, dass pflegerische Maßnahmen unsachgemäß durch­geführt werden und Pflegerisikofaktoren (z. B. Sturzrisiko, Dekubitusrisiko, Immobilitätsrisiko) nicht pflegefachlich berücksichtigt werden. Dabei ist es auch die Pflicht des/der PersonenbetreuerIn, entsprechende Anordnungen für die Durchführung von medizinischen und pflegerischen Tätigkeiten einzuholen.
Neue Konzepte
Wichtig zu wissen ist, dass es nicht den Vereinen oder Agenturen obliegt, die Pflegequalität der Personenbetreuung sicherzustellen. Diese koordinieren nur den Kontakt zwischen einem/einer selbstständigenPersonenbetreuerIn sowie der Person mit Betreuungsbedarf. Einige Vermittlungsorganisationen kooperieren zwar mit diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, um ein gewisses Maß an Pflegequalität herzustellen, aber hier gibt es unterschiedliche Angebote zur Qualitätssicherung und keine einheitlich definierten Qualitätsanforderungen. Die angewendeten Qualitätskriterien sind häufig unstrukturiert (keine Orientierung an methodisch anerkannten Instrumenten der Pflege) und nicht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut. Die Preise der Angebote sind kaum vergleichbar und differieren stark voneinander.

Care Trend hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Setting der 24h Betreuung transparenter zu machen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse und anerkannte Pflegemethoden auch im Bereich der Personenbetreuung zu etablieren. Hierfür hat Care Trend bereits 2014 ein innovatives Instrument entwickelt, das die tatsächliche Pflegequalität in der 24-h-Betreuung misst, Handlungsbedarf aufzeigt und
Lösungsvorschläge anbietet. Ziele sind die Minimierung der Pflegerisikofaktoren in der 24-h-Betreuung, die Gesundheit der Betroffenen zu fördern und alternative Pflegemethoden sowie weitere Pflegeangebote in die 24-h-Betreuung zu integrieren.
Die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege werden nach Ansicht von Care Trend die Messung von Qualitätsmerkmalen (Erhebung und Vergleich von Pflegekennzahlen) sowie die verpflichtende Etablierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in allen pflegerischen Dienstleistungsangeboten sein, um weitere Transparenz zu schaffen.

Care Trend

DGKS Mag. Karin Neumaerker, BA und DGKP Mag. Egon Unterberger, MSc sind die Gründer und Geschäftsführer von Care Trend. Das Know-how der beiden AutorInnen basiert auf langjähriger Praxiserfahrung, Funktionen im Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen sowie universitären Ausbildungen (Gesundheits- und Pflegepädagogik, Wirtschafts- und Sozialwissenschaft) sowie akademischen Weiterbildungen.
Info unter: caretrend.at, Tel.: +43 1 33 130 110

EgonKarin

FOTOS: CARE TREND

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