Adaptieren von Wohnungen

Erhöhte Lebensqualität

In den vergangenen Jahren hat sich die Nachfrage stark erhöht. Barrierefreie Einrichtung muss heute aber nicht nur praktisch sein, sondern auch Design-Ansprüchen genügen.

Adaptierung von Wohnungen

Durch das Ergebnis einer aktuellen GfK-Studie, wonach in der Altersgruppe 40+ eine hohe Investitionsbereitschaft in die Barrierefreiheit im privaten Wohnbereich besteht, sieht sich die Bundesinnung Bau in ihren Bemühungen „um rasche förder- und fiskalpolitische Anreize für Umbaumaßnahmen“ bestätigt. Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel erhebt aus diesem Anlass zum wiederholten Mal den Wunsch nach einem Sanierungsscheck als Anstoßfinanzierung für die seniorengerechte Adaptierung von Wohnungen und Einfamilienhäusern.

Für die notwendigen Arbeiten sind jeweils zwei Drittel der Befragten bereit, bis zu 5.000 bzw. 5.000 bis 10.000 Euro aufzuwenden, 23 % würden sogar bis zu 20.000 Euro investieren. Als Anreiz halten 53 % eine unbeschränkte steuerliche Absetzbarkeit sowie 28 % eine reduzierte Mehrwertsteuer für ihre Investition für wünschenswert. Mit Aussicht auf einen Sanierungsscheck in Form eines staatlichen Einmalzuschusses von bis zu 6.500 Euro wären 22 % „sicher bereit“ und 48 % der Befragten „eher bereit“, die nötigen Maßnahmen in Auftrag zu geben. Dazu Fessel-GfK-Leiter Prof. Rudolf Bretschneider: „Es besteht großer Bedarf für baufachliche Beratung, die in Verbindung mit einem Anreizsystem wesentlich zur Überwindung von Hindernissen beitragen kann.“

Als hinderlich für die seniorengerechte Adaption der eigenen vier Wände bezeichnet jeder zweite Befragte die Bürokratie bei Förderansuchen und Genehmigungen sowie etwaige Probleme bei der Bauabwicklung. Für die bauliche Umsetzung würden 25 % sicher und 42 % eher einen Fachmann heranziehen. 61 % wünschen sich als Ansprechpartner einen Experten für alle Leistungen, wobei 52 % sämtliche Arbeiten an ein gewerbliches Unternehmen vergeben würden. Mit einer entsprechenden Förderung wären sogar 65 % der Befragten bereit, die Umbauten offiziell mit einem speziell ausgebildeten Profi zu realisieren.

Im Rahmen eines eigens entwickelten Fortbildungsprogramms können sich Baumeister an den österreichischen BAUAkademien auf das barrierefreie Bauen und Wohnen bzw. die seniorengerechte Adaptierung von Wohnungen spezialisieren. Die Liste der für diesen Bereich zertifizierten Unternehmen ist auf der Webseite bau.or.at abrufbar.
Welche Änderungen und Umbauten nötig bzw. möglich sind, hängt neben den finanziellen Mitteln vor allem auch von den jeweiligen Gegebenheiten der Wohnung selbst sowie den Bedürfnissen und Wünschen ihrer Bewohner ab. Aber grundsätzlich sind es vor allem meist Badezimmer, Küche sowie für Rollstuhfahrer Treppen und Türen.

Beispiel Badezimmer

Wenn es um barrierefreies Wohnen geht, ist die Beseitigung von Stolperfallen, etwa von hohen Kanten und abstehenden Übergängen, ein wichtiger Aspekt. Das gilt vor allem für Wohnungen von älteren Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Experten empfehlen eine möglichst durchgängige, schwellenlose Bodengestaltung. Der größte Vorteil dabei: Schwellenlose Böden sind nicht nur praktisch, sondern aufgrund der Verwendung von wenigen, aber hochwertigen Materialien auch ästhetisch anspruchsvoll. Zusätzlich sorgt die einheitliche Bodenhöhe für optische Weite.

Quester-Einkaufsleiter Martin Strobl dazu: „Für diesen Zweck eignen sich keramische Fliesen besonders gut. Sie sind nicht nur elegant, sondern auch einfach zu reinigen und lassen sich schwellenfrei verlegen.“ Und nachdem Fliesen in Verbindung mit Feuchtigkeit eine große Gefahrenquelle darstellen, haben die Hersteller mittlerweile hier Abhilfe geschaffen – und zwar in Form von rutschfesten Fliesen aus Keramik oder Feinsteinzeug mit einem speziellen Oberflächenprofil. Das sind Fliesen der Klassen R 9, R 10 oder höher, die auch entsprechend gekennzeichnet sind.

Auch an die Dusche sollte gedacht werden. Strobl empfiehlt, bodengleiche Übergänge zwischen Dusche und restlichem Bad zu verwenden – das ist ein Trend, der aufgrund der besonderen Optik und Funktionalität derzeit nicht nur in barrierefreien Bädern zu beobachten ist. Die normalerweise notwendige Nivellierung des Duschbodens zum Abrinnen des Wassers kann sich der Fliesenleger mit einer Fundo-Platte ersparen. Sie hat das notwendige Ablaufsystem bereits eingebaut.
Der österreichische Duschenhersteller Baduscho bietet ein umfangreiches Sortiment an barrierefreien Badezimmerlösungen. „Die Nachfrage nach barrierefreien und maßgeschneiderten Duschen ist der am stärksten wachsende Bereich“, so Adolf Palmberger, Geschäfsführer von Baduscho, der heuer mit Spirit S1 und JOY/JOY J1 zwei neue Serien auf den Markt gebracht hat.

Wer auch im Alter nicht auf eine Badewanne verzichten möchte, für den gibt es spezielle Modelle, die barrierefreien Badespaß ermöglichen. So verfügt etwa das Modell Divina von Saniku über einen patentierten seitlichen Türeinstieg aus Sicherheitsglas sowie einen Sitz, der bodengleich in der Wanne versenkt und für den bequemen Ausstieg wieder hochgefahren wird. Das System funktioniert ohne Strom allein durch Wasserdruck.

Aber auch bestehende Badewannen können auf barrierefrei umgerüstet werden. Entwickelt wurde die nachträglich in so gut wie alle Wannenmodelle einbaubare Tür in Österre. Großer Vorteil zur komplett neuen Wanne ist, dass keine aufwendigen Bauarbeiten im Badezimmer notwendig sind. Die Umrüstung durch den SenHILF-Monteur ist eine Sache weniger Stunden. www.badewanneneinstieg.at
Komplettiert wird das barrierefreie Bad durch Haltegriffe und Stangen, Duschklappsitze und Seitenwandgriffe. Diese Hilfsmittel sind mittlerweile nicht nur praktisch, sondern eignen sich durch entsprechendes Design auch als schönes Gestaltungselement.

Offen für alles

Sich ungehindert in den eigenen vier Wänden bewegen zu können, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch für Rollstuhfahrer stellen schon die in vielen Wohnungen verwendeten Türen mit einer Standardbreite von rund 80 cm und eventuell einer Schwelle eine schwierig zu meisternde Barriere dar, denn für die problemlose Durchfahrt müsste die lichte Breite der geöffneten Tür mindestens 90 cm betragen und die Räume ein durchgängiges Bodenniveau aufweisen. Bedenken muss man auch den Wendekreis von rund 150 cm, der besonders in engen Fluren, kleinen Badezimmern und WCs selten gegeben ist.
Ein weiterer Nachteil der normalen Flügeltüre ist, dass sie, egal in welche Richtung sie aufgeht, entweder beim Betreten oder beim Verlassen eines Raumes Rollstuhlfahrern oder auch gebehinderten Personen buchstäblich im Weg steht. Auch das Bedienen der Türschnalle kann mit nachlassender Kraft in den Händen schwierig werden.
Abhilfe können hier Schiebetüren schaffen. Angeboten werden verschiedene Systeme und Modelle, und für jeden Einsatzbereich findet sich mit Sicherheit die passende Lösung.

Vor der Wand laufende Schiebetüren bieten neben einer schönen Optik durch die vielen Material- und Designvarianten auch noch den Vorteil, dass sie von einigermaßen versierten Heimwerkern auch problemlos und ohne großen Aufwand nachträglich eingebaut werden können. Und die Geldbörse schonen solche Modelle ebenfalls, denn in Baumärkten sind solche Türen schon ab knapp 200 Euro zu haben.
Aufwendiger in der Montage und auch teurer sind raumhohe Schiebetüren. Hier bie­tet etwa das österreichische Unternehmen Auf und Zu Schindler maßgefertigte Lösungen für jeden Geschmack und jede räumliche Besonderheit.
Bei umfangreicheren Renovierungen oder beim Neubau sind in der Wand laufende Schiebetüren eine gute Wahl. Manche Schiebetürensysteme, so etwa jene des deutschen Herstellers Eclisse, dessen Produkte auch im heimischen Fachhandel erhältlich sind, können zudem auch mit elektrischen oder elektromagnetischen Antrieben, die auf Wunsch auch ferngesteuert werden können, kombiniert werden. Die Luca-Modelle verfügen zudem auch über integrierte Kabelkanäle, die dazu genutzt werden können, die Türe selbst sowie auch Lichtschalter berührungslos zu bedienen.

Heißes Eisen

Der Raum, der abgesehen vom Badezimmer bei einer Umrüstung der Wohnung auf Barrierefreiheit den größten Aufwand benötigt, ist die Küche.
Das beginnt schon mit der Arbeitsfläche, deren Höhe etwa für einen Rollstuhlfahrer auf seine individuelle Größe in seinem genormten Rollstuhl angepasst sein muss, um ein unbehindertes Arbeiten zu ermöglichen. Außerdem benötigt ein Rollstuhlfahrer auch Platz unter der Arbeitsplatte.

Für Senioren sind spezielle Geh-, Steh-, Stütz- und Greifhilfen je nach Art der körperlichen Einschränkung sehr hilfreich. Relingsysteme an der Vorderkante der Arbeitsplatte erleichtern das Bewegen zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen und stabile Servierwagen mit hochklappbaren Bügeln erfüllen gleich mehrere Funktionen. Sie dienen als mobile Aufbewahrung von Utensilien, die häufig gebraucht werden, dem bequemenTransport von Speisen und Geschirr zwischen Küche und den anderen Räumen der Wohnung und geben zudem im wahrsten Sinne des Wortes bei Bedarf auch sicheren Halt.
Auch Höhe und Positionierung von Backofen, Kühlschrank oder Geschirrspüler müssen bei einer barrierefreien Umgestaltung der Küche bedacht werden. Generell empfiehlt es sich, sich professionell beraten zu lassen. So gibt es etwa bei Leiner speziell geschulte Mitarbeiter, und auch die österreichischen Tischler nehmen sich des Themas „Leben ohne Barrieren“ gerne an. Bei der Bundesinnung der Tischler in der Wirtschaftskammer Österreich, (Wiedner Hauptstraße 6, 1045 Wien, Tel. +43/(0)5/ 90 900 32 34, www.tischler.at) kann man sich darüber informieren, welche Betriebe sich auf diesem Gebiet besonders spezialisiert haben.

 Müheloser Aufstieg

Treppensteigen gilt zwar als praktische Fitnessübung, aber mit zunehmendem Alter oder durch körperliche Einschränkungen kann oder will man gerne darauf verzichten. Und im Vergleich zu den Kosten, die ein Umzug in eine neue Wohnung mit sich bringt, ist die Anschaffung eines Treppenliftes oft die peiswertere Lösung und kein Luxus.
„Treppenlifte machen das Leben wieder lebenswert“, weiß Peter Kuhle, Geschäftsführer von A&P Treppenlifte. „Denn nur wer die Stockwerke wechseln kann, ohne dabei zu stürzen, zu stolpern oder sich ernsthaft zu verletzen, kann sich in seinem Eigenheim sicher fühlen.“
Angeboten werden Lifte für nahezu alle Treppen, und die modere Technik bewältigt heute selbst enge Kurven, steile Stufen und spitze Ecken problemlos. Die Sitze aller Modelle sind ergonomisch geformt und vom Treppenabsatz aus leicht zugänglich.

Neben den Indoor-Modellen gibt es auch solche für den Außeneinsatz. Modell G540A ist etwa so eine flexible und individuelle Allwetterlösung, mit der man die Außentreppe zur Eingangstür oder die Stufen in den Garten bequem meistern kann.
Einer der größten Anbieter im deutschsprachigen Raum ist Lifta. Das Unternehmen verfügt in Österreich über ein flächendeckendes Beraterteam. Auf der Homepage (www.lifta.at) informiert das Unternehmen über die verschiedenen Modelle und Systeme und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Treppenlift.

Die eigentliche Beratung erfolgt vor Ort, da jeder Lift eine individuelle Einzelanfertigung genau nach den Maßen der jeweiligen Treppe ist. Unter gewissen Umständen, wenn etwa die Beeinträchtigung Folge eines Umfalls ist, kann für die Anschaffung eines Treppenliftes – je nach Modell, Ausstattung und den baulichen Gegebenheiten der Treppe liegen die Preise zwischen 3.900 € und 13.900 € – auch eine Chance auf Förderung bestehen. Welche Voraussetzungen man dafür im Speziellen erfüllen muss und auch welche Auflagen, etwa beim Einbau des Lifts in einer Mietwohnung oder einem Mehrparteienhaus, zu beachten sind, weiß der Lifta-Berater ebenfalls und ist auch bei der Antragstellung behilflich.
Ein aufwendiger Umbau des Treppenhauses, der viele bisher vielleicht von der Anschaffung einer solchen Aufstiegshilfe abgehalten hat, ist nicht notwendig. Die Schiene wird am äußeren oder inneren Treppenrand auf Stufen aufgestellt und befestigt. Auch für Treppenabsätze gibt es eine passende Lösung. Der Lifta lässt sich auf Treppen aus jedem Material aufstellen. Selbst Türen und Durchgänge im Bereich der Treppe sind kein Problem, denn dort wird die Schiene so konstruiert, dass sie bequem aufgeklappt werden kann.

@FOTO: GETTY IMAGES

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