Barrierefreies Wohnen

Schrankenloser Wohnkomfort

Beim barrierefreien Wohnen geht es nicht allein darum, die eigenen vier Wände rollstuhlgerecht zu machen, sondern um den möglichst uneingeschränkten Komfort für alle Bewohner.

Alle Menschen wünschen sich eine möglichst autonome Lebensgestaltung im Alter. Das zeigt sich auch aufgrund einer Erhebung bei den Wohnwünschen für die Zukunft der heute 20- bis 40-Jährigen. Gleichzeitig machen sich aber nur wenige der 50-Plus-Generation Gedanken über das Wohnen im Alter.
In Österreich leben rund 1,7 Millionen Menschen, also immerhin 20 % der Bevölkerung, mit irgendeiner Art von Behinderung – 1 Mio. mit Mobilitätseinschränkungen, darunter 50.000 Rollstuhlfahrer, 0,3 Mio. mit starker Sehbeeinträchtigung, 0,2 Mio. mit psychischen oder neurologischen Beeinträchtigungen, weitere 0,2 Mio. mit starker Einschränkung des Gehörs.
„Der Anteil der älteren Menschen wird in den kommenden Jahren stark zunehmen. Daher ist es umso wichtiger, vorausschauende, nachhaltige und bedarfsgerechte Richtlinien für barrierefreies Bauen zu schaffen, um möglichst vielen Menschen ein mobiles Leben ohne fremde Hilfe zu gewährleisten“, sagt Stefan Wagmeister, Manager bei „Austrian Standards“.

ÖNORMEN schaffen verlässliche Planungsgrundlagen für die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden und Anlagen. Die aktuelle Neuüberarbeitung der betreffenden ÖNORMEN B 1600 bis B 1603 trägt nicht nur zu Erleichterungen für ältere Personen oder Menschen mit Behinderungen bei. Auch Bauherren und Planer profitieren von Präzisierungen, bedarfsgerechten Anpassungen und mehr Flexibilität der adaptierten Richtlinien, die barrierefreies Bauen sicherstellen und dabei Rechtsfragen klären.

Gut genormt

In der neuen ÖNORM B 1600 wurde besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von Personen mit Hör- oder Sehbehinderungen gelegt, um das Prinzip der Barrierefreiheit im Sinne des Gleichstellungsgesetzes baulich noch besser umzusetzen als bisher.
„Dadurch erhalten blinde Menschen eine wichtige Unterstützung, um sich künftig einfacher in Gebäuden zu orientieren“, erklärt Maria Grundner, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitsausschusses der ÖNORM und Interessenvertreterin von Menschen mit Behinderungen. „Auch die Vorgaben für anpassbaren Wohnbau – also Wohnungen, die im Falle auftretender Behinderungen schnell und kostengünstig umgebaut werden müssen – werden durch die Novellierung der ÖNORM B 1600 konkretisiert“, ergänzt Grundner. Die Expertin hat in der Arbeitsgruppe zur Adaptierung der Norm für barrierefreies Bauen eigene Erfahrungen eingebracht, da sie selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist: „Ziel ist es, bei Auftreten einer Mobilitätseinschränkung einen möglichst raschen und unkomplizierten Umbau von Wohnraum mit möglichst geringem Kostenaufwand durchführen zu können. So verwendet man z. B. in Sanitärbereichen statt tragender Wandelemente Komponenten, die eine flexible Grundrissänderung zulassen, sollte beispielsweise mehr Platz für den Rollstuhl benötigt werden.“

Auch Wilhelm Zechner, Technischer Direktor der „Sozialbau Gemeinnützige Wohnungs-AG“, begrüßt die Neuausgabe der ÖNORM. Er bezeichnet sie als „wirklich gute Planungsgrundlage für barrierefreies Bauen“. Für einen Bauträger sei Barrierefreiheit zwar immer mit gewissen Mehrkosten verbunden, so Zechner, aber das werde man sich leisten können. Natürlich seien Kosten im Wohnbau, besonders im sozialen bzw. geförderten, immer ein Thema: „Wir sind permanent damit konfrontiert, alles zu tun, damit am Ende leistbares Wohnen herauskommt. Die Personen und Institutionen, die an der Neufassung der ÖNORM B 1600 mitgewirkt haben, haben das Kostenthema bestmöglich einbezogen.“

@ FOTO: GETTY IMAGES

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