Gebärmutterhalskrebs

Echte Vorsorge ist möglich

Mittels Krebsvorsorge durch PAP-Abstrich, Kolposkopie und HPV-Test kann ein Gebärmutterhalskrebs in seinem vollständig heilbaren Vorstadium erkannt und unter Erhaltung der Gebärmutter therapiert werden.

Etwas weniger als 400 Frauen erkranken in Österreich jährlich am Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Etwas mehr als 150 erkrankte Frauen versterben an ihrer Krebserkrankung. Fakt ist: Je früher die Krebserkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Daher kommt der jährlichen Untersuchung auf veränderte Zellen im Abstrich (PAP-Test), die Vorstadien der Erkrankung anzeigen, eine wesentliche Bedeutung zu. Bei einem solchen Test werden Zellen vom Gebärmutterhals mit einem Abstrichinstrument entnommen und in einem Labor unter dem Mikroskop untersucht. Diese Untersuchung ist wenig bis gar nicht schmerzhaft. Wichtig ist: „State of the Art ist die Abnahme des Zellabstriches dann, wenn sie nicht blind, sondern unter kolposkopischer Sicht vorgenommen wird“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Olaf Reich, Gynäkologe und Pathologe an der Medizinischen Universität Graz. „Ein Kolposkop ist eine starke und beleuchtete Lupe, mit der die Region, die für die Gewinnung eines qualitativ guten Abstriches besonderes wichtig ist, eingesehen und auch beurteilt werden kann.“

Kombitest macht sicher

Der PAP-Test – so benannt nach dem griechischen Gynäkologen George Papanicolaou (1883 bis 1962) – ist allerdings nicht zu 100 % treffsicher, auch wenn es hier technische Weiterentwicklungen wie z. B. die Dünnschichtzytologie oder die Immunzytochemie gibt. „Maximale Sicherheit erreicht man, wenn etwa ab dem 30. Lebensjahr neben dem PAP-Test zusätzlich alle drei bis fünf Jahre eine Testung auf HPV gemacht wird und auffällige Tests weiter abgeklärt werden“, fasst Reich zusammen. Sind beide Tests (PAP und HPV) negativ, ist die Wahrscheinlichkeit, dennoch eine Erkrankung zu haben oder in Kürze zu entwickeln, fast auszuschließen.

Liegt bereits ein Gebärmutterhalskrebs vor, heißt die Devise mittlerweile nicht mehr Operation um jeden Preis. Vielmehr stehen einander zwei Therapiemethoden gleichberechtigt gegenüber: Beide Methoden haben etwa die gleichen Erfolgsaussichten, wobei die Operation in erster Linie bei frühen und die Radiochemotherapie bei fortgeschrittenen Tumorstadien zum Einsatz kommen. Welche Methode zu empfehlen ist, hängt auch von sogenannten Prognosefaktoren ab. Die wichtigsten prognostischen Faktoren des Gebärmutterhalskrebses sind die Tumorgröße und das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen. „Um festzustellen, wie groß der Tumor ist und ob Metastasen vorliegen, kommen bildgebende Verfahren zur Anwendung“, erklärt Olaf Reich. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie kann heutzutage die Tumorgröße und mit der Positronen-Emissions-Tomografie das Vorhandensein und die Lage von Metastasen gut beurteilt werden. Auch eine Bauchspiegelung kann durchgeführt werden, um festzustellen, ob im kleinen Becken und/oder im Bauchraum Metastasen vorhanden sind und wo diese lokalisiert sind.

Bei einer Operation strebt man an, den gesamten Tumor vollständig zu entfernen, um das spätere Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung möglichst zu minimieren.
Im Einzelfall kann versucht werden, große und deshalb schwer zu operierende Tumoren durch eine Chemotherapie zu verkleinern, um sie dann besser operieren zu können.

Nach sogenannten radikalen Operationen kann es zu Funktionsstörungen von Harnblase oder Darm kommen, wenn Nervenbahnen zu diesen Organen im Zuge der Operation mit durchtrennt werden mussten. Die Sexualität ist hingegen im weiteren Leben nach einer Operation weniger beeinträchtigt als nach einer Bestrahlung. Diese kommt heutzutage in Kombination mit einer Chemotherapie primär dann zum Einsatz, wenn Metastasen zum Zeitpunkt der Therapieplanung nachweisbar sind oder bei großen Tumoren.

Karzinom, Kinderwusch und Schwangerschaft

Ein Gebärmutterhalskrebs kann auch entdeckt werden, wenn Frauen mit Kinderwunsch die gynäkologische Praxis aufsuchen. „Frauen bekommen heute ihre Kinder nicht selten nach dem 30. Lebensjahr und das Zervixkarzinom betrifft eher jüngere Frauen – da gibt es eine zeitliche Überlappung“, erklärt Reich. Wenn der Tumor in einem solchen Fall entdeckt wird, er lediglich bis zu zwei Zentimeter groß ist und keine Metastasen vorliegen, kann die Geschwulst mittlerweile mit einer speziellen Operationstechnik (Trachelektomie), die an Tumorzentren durchgeführt wird, oft so entfernt werden, dass die Gebärmutter erhalten wird. Eine Schwangerschaft ist dann nach der Operation weiter möglich.
Aber auch für schwangere Frauen, bei denen ein Gebärmutterhalskrebs entdeckt wird, bedeutet das heute nicht mehr unbedingt eine Beendigung der Schwangerschaft. „Im Mutter-Kind-Pass ist ein PAP-Test zwischen siebter und elfter Schwangerschaftswoche vorgeschrieben“, hält Reich fest: „Wird ein Zervixkarzinom festgestellt, kann man bis etwa zur 25. Schwangerschaftswoche mit Hilfe einer Bauchspiegelung prüfen, ob Metastasen vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, besteht die Möglichkeit, mit der Therapie bis zur Entbindung, die in der Regel vor dem Geburtstermin stattfindet, zu warten und nicht die Schwangerschaft abzubrechen. Auch bei großen Tumoren oder solchen mit Metastasen kann mit einer Chemotherapie, die das Ungeborene nicht schädigt, versucht werden, das Fortschreiten der Erkrankung bis nach der Entbindung aufzuhalten und erst dann die definitive Therapie einzuleiten.

Impfstoff gegen Krebszellen

Die HPV-Impfung dient der Vorsorge, das heißt, die Impfung verhindert, dass Viren in den Körper eintreten. Damit wird einer späteren Erkrankung vorgebeugt. Intensiv geforscht wird derzeit an einem weiteren Impfstoff, der sich direkt gegen die Krebszellen richtet. „Therapeutische Impfstoffe sollen das körpereigene Immunsystem anregen, vom Virus befallene Zellen zu vernichten“, erläutert Reich: Marktreif ist so ein Impfstoff allerdings noch nicht. Geforscht wird weiters an einer Vakzine, die sowohl die HPV-Infektion verhindert als auch infizierte Zellen eliminieren kann“, berichtet Reich. Aber auch das ist vorläufig noch Zukunftsmusik.

@FOTO: FOTOLIA.DE

Therapiemethoden

  1. Die operative Entfernung des Tumors
  2. Die Behandlung mit einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie (Radiochemotherapie)

Unser Interviewpartner:

Prof. Dr. Olaf Reich,
Gynäkologe und Pathologe an der Medizinischen Universität Graz

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