Makuladegeneration

Die Früherkennung ist wesentlich

Ab dem 50. Lebensjahr sollte jede und jeder einmal im Jahr seine Augen von einer Fachärztin
für Augenheilkunde untersuchen lassen. Damit kann die häufige Augenerkrankung früh genug diagnostiziert werden, um das Sehvermögen lebenslang zu erhalten.

Noch vor wenigen Jahren hieß es zum Thema Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) in Lehrbüchern und Forschungsarbeiten, dies sei eine Erkrankung, die in jedem Fall zur Erblindung führe. „Mit den unglaublichen Fortschritten, die wir in den vergangenen Jahren in Diagnostik und Therapie der AMD gemacht haben, hat sich das vollkommen verändert“, bringt es Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde an der MedUni Wien auf den Punkt: „Die Antikörpertherapie ermöglicht uns heute eine wirksame Behandlung der AMD, das Sehvermögen kann damit erhalten werden.“
Wesentlich dafür ist allerdings die Früherkennung der Erkrankung: „wenn bereits Gewebeschäden aufgetreten sind, sind diese nicht mehr rückgängig zu machen“, erläutert Augenspezialistin Schmidt-Erfurth.

Erste Anzeichen der AMD sind gelbliche Ablagerungen im Augenhintergrund, die als Drusen bezeichnet werden. Zudem treten Pigmentveränderungen im retinalen Pigmentepithel (RPE) auf. Das retinale Pigmentepithel ist die oberste Netzhautschicht und unter anderem für die Lichtabsorption zuständig. „Diese Veränderungen kann man lange vor Auftreten von Symptomen beobachten“, sagt Schmidt-Erfurth: „Deshalb ist die jährliche augenärztliche Kontrolle ab dem 50. Lebensjahr von essenzieller Bedeutung.“
Rund 20 Prozent der 65 bis 74jährigen sind bereits an AMD erkrankt. Wenn dann nichts unternommen wird, endet die Augenkrankheit unweigerlich mit dem Verlust des funktionellen Sehens. Letzten Endes zerstört die Erkrankung den Punkt des schärfsten Sehens – die Makula lutea (gelber Fleck). Diese befindet sich im Zentrum der Augen, was dazu führt, dass Betroffene nicht mehr lesen, kochen, Autofahren oder eine andere Tätigkeit ausüben können, für die zentrales Sehen unerlässlich ist.
Werden bei der jährlichen augenärztlichen Untersuchung erste Veränderungen erkannt, wird erst einmal eine Risikoabschätzung vorgenommen. Dazu wird State of the Art die AREDS-Klassifizierung angewendet. Diese gibt, je nach vorliegendem Befund, Auskunft, in welchem Stadium die Erkrankung sich befindet.Je nach Klassifizierung wird bei Vorliegen erster Drusen und einem unauffälligen Pigmentepithel erst einmal regelmäßig kontrolliert. Im Frühstadium der AMD wird im Idealfall bereits mit der Therapie begonnen.

Die Wahl des Krankenhauses

Allerdings kann eine essenzielle Untersuchung für die State-of-the-Art-Diagnostik der AMD bislang fast ausschließlich an großen Zentren durchgeführt werden. „Für die Untersuchung setzen wir an der Klinik die Optische Kohärenztomografie (OCT) ein“, erklärt Klinikchefin Schmidt-Erfurth: „Mit dieser schmerzlosen Untersuchung kann der Augenhintergrund optimal eingesehen und vorliegende Veränderungen beurteilt werden.“
Mit der OCT können nicht nur Veränderungen am Augenhintergrund festgestellt werden, es kann auch gemessen werden, wo und in welcher Zeit und Menge sich Ablagerungen entwickeln. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kommt es zum Zerfall der Ablagerungen im Augenhintergrund – das Sehvermögen beginnt sich zu verschlechtern. Zu diesem Zeitpunkt muss therapeutisch eingegriffen werden, damit das zentrale Sehvermögen erhalten werden kann.

Feuchte und trockene Makuladegeneration

Je nach Zustandsbild werden zwei Formen der AMD unterschieden: Die Feuchte Makuladegeneration wird auch als neovaskuläre MD bezeichnet (neovaskulär – Neubildung von Blutgefäßen). Dabei wird der Organismus angeregt, neue Blutgefäße zur Versorgung der Makula zu bilden. Die wuchernden Gefäße sind sehr instabil und oft undicht, sodass es zu Blutungen in die Netzhaut kommen kann. Diese Erkrankung kann mittlerweile ausgezeichnet mit Antikörpern behandelt werden: „Die VEGF-Antikörper* unterbinden die Neubildung von Blutgefäßen – die Erkrankung kommt zum Stillstand“, erläutert Augenspezialistin Schmidt-Erfurth.
Bei der trockenen AMD, sie wird auch als geografische Atrophie (Abbau) bezeichnet, liegt ein Defekt im Retinalen Pigmentepithel vor, ein Loch, das sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößert und schließlich in die Makula einwächst – das Sehvermögen geht verloren. Eine Behandlung, die das Krankheitsgeschehen aufhält, ist derzeit noch nicht erhältlich. „Allerdings sind vor Kurzem ausgesprochen vielversprechende Daten veröffentlicht worden, die die erfolgreiche Behandlung der Trockenen Makuladegeneration mit bestimmten Antikörpern nachweisen konnten“, freut sich Schmidt-Erfurth.
Wichtig ist der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns: Vorhandene Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Wenn also das Sehvermögen erhalten werden soll, muss die Therapie der Feuchten AMD in einem möglichst frühen Erkrankungsstadium begonnen und regelmäßig fortgesetzt werden. Wird rechtzeitig eingegriffen, „friert“ die Feuchte AMD ein – das Sehvermögen bleibt erhalten, die Erblindungsgefahr ist abgewendet.

@FOTO: GETTY IMAGES

Unsere Interviewpartnerin:

Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth,
Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde an der MedUni Wien

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