Prostatakrebs

Jährliche Vorsorgeuntersuchung ab 45

Unter UrologInnen ist die Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) mittlerweile unumstritten. Um die Verdachtsdiagnose zu erhärten, muss zudem eine transrektale Prostatabiopsie durchgeführt werden.

Eine PSA-Wert-Bestimmung mit dem 40. Lebensjahr ist sinnvoll, weil wir damit einen Basiswert ermitteln können“, hält Oberarzt Dr. Andreas Sommerhuber vom Prostatazentrum am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz fest. „Ab dem 45. Lebensjahr sollte jährlich eine Vorsorgeuntersuchung mit Bestimmung des PSA-Wertes durchgeführt werden.“ Die PSA-Wert-Bestimmung allein kann allerdings nicht als ausschlaggebendes diagnostisches Instrument herangezogen werden. „Zusätzlich muss natürlich eine rektale Prostatauntersuchung durchgeführt werden“. Ist der PSA-Wert erhöht und/oder wird bei der rektalen Prostatauntersuchung ein Knoten getastet, muss eine transrektale Gewebeentnahme durchgeführt werden, um festzustellen, ob tatsächlich ein Prostatakarzinom vorliegt.
Wird ein bösartiger Tumor der Prostata diagnostiziert, spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle: Die TNM-Klassifizierung und der Gleason-Score. Die TNM-Klassifizierung gibt darüber Auskunft, in welche Risikoklasse der betroffene Patient einzuordnen ist. Ein niedriger TNM-Score steht auch für ein niedriges Risiko. „Beim Low-Risk-Patienten ist der Tumor auf die Prostata beschränkt, der PSA-Wert liegt unter zehn und der Gleason-Score unter sieben“, erklärt Sommerhuber: „Ein high risk-Patient weist einen PSA-Wert über 20 und einen Gleason-Score zwischen acht und zehn auf.“

 Wie aggressiv ist der Tumor?

Mit dem Gleason-Score dagegen wird die biologische Aggressivität des Tumors abgebildet. Der Score reicht bis zehn, wobei zehn für eine hohe Aggressivität steht. Beide Werte – TNM-Klassifizierung und Gleason-Score haben maßgeblichen Einfluss auf die Therapieentscheidung. Außerdem sind Alter und Gesundheitszustand des Patienten wichtig: „Tendenziell gilt, bei Patienten in gutem Allgemeinzustand und einem Alter bis zu etwa 70 Jahren stellt die radikale Prostatektomie, also die komplette Entfernung der Prostata, die wichtigste Therapieoption dar. Ist der Tumor über die Prostatagrenze hinaus gewachsen, aber auch bei älteren Patienten oder bei schlechterem Gesundheitszustand, können auch andere Therapieoptionen, wie etwa die lokale Radiotherapie eingesetzt werden.
Möglich sind natürlich auch Kombinationsbehandlungen, bei denen die Entfernung der Prostata und des Tumors und anschließend Strahlen- und antihormonelle Therapie eingesetzt werden. Mit der antihormonellen Therapie wird die Testosteron-Produktion unterdrückt. Prostatatumoren „ernähren“ sich von Testosteron. Wird kein Testosteron mehr gebildet, so kann sich auch der Tumor zurückbilden.
„Die Strahlentherapie plus antihormonelle Behandlung, stellt, neben der Prostatektomie eine weitere Säule der Prostatakrebs-Therapie dar“, hält Sommerhuber fest.

Interne Strahlenbehandlung

Bei bestimmten Patienten, die ein niedriges Risiko aufweisen, kann auch eine interstitielle Brachytherapie als kurative Behandlung zur Anwendung kommen. „Hier werden winzige radioaktive Teilchen in die Prostata eingebracht, es ist also eine Strahlentherapie von innen“, erklärt Sommerhuber die Brachytherapie.

Schonende Operation

Wenn die Prostata operativ entfernt werden muss, fürchten viele Patienten Impotenz und Inkontinenz. „Die Gefahr ist da, aber es hat sich in den vergangenen Jahren viel verbessert“, weiß Urologe Sommerhuber: „Wir wenden heute Operationsmethoden an, die durch verbesserte Präparationstechnik die Nervenbündel rund um die Prostata verschonen können – auszuschließen ist aber die Impotenz nach einem solchen Eingriff nicht.“ Dies gilt natürlich auch dann, wenn eine antihormonelle Therapie durchgeführt werden muss, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Chemotherapie und Hormonblockade

Wenn der Tumor nicht mehr operiert werden kann oder die Erkrankung trotz Entfernung der Prostata weiter fortschreitet, steht mittlerweile eine Vielzahl von therapeutischen Optionen zur Verfügung. „Wir setzen bei Knochenmetastasen zum Beispiel einen Antikörper ein“, sagt Sommerhuber: „Denosumab stärkt die Knochensubstanz, das Medikament hat auch positive Auswirkungen auf die Krebserkrankung.“ Standard in der Therapie ist heute das Chemotherapeutikum Taxotere und eine neuere antihormonelle Therapie mit der Substanz Abiraterone.
Auch neue chemotherapeutische Verfahren, wie Cabazitaxel, berechtigen durchaus zu Hoffnungen, den Krankheitsverlauf zu bremsen. Eine ganz neue Methode der antihormonellen Therapie stellt Enzalutamid dar. Das Medikament hemmt nicht direkt die Testosteronproduktion, sondern blockiert den Signalweg des Androgenrezeptors an drei Stellen (Androgene = männliche Hormone) und sorgt so für eine wirksame Testoste­ronblockade.

Knochen stärken mit Radium

Ebenfalls neu ist die Behandlung von Knochenmetastasen mit Alpharadin: „Dabei wird Patienten mit Knochenmetastasen intravenös ein Radium 223 direkt in den Knochen eingeschleust“, erläutert der Urologe: „Diese Therapie stärkt den Knochen und verlängert das Überleben der Patienten.“ Diese neue Therapie wird vor oder nach einer Chemotherapie durchgeführt. Das Prostatazentrum Linz war das erste Zentrum in Österreich, das diese neue Methode im Dezember angewendet hat.
Insgesamt die Heilungschancen bei Prostatakarzinom sehr gut – sie liegen zwischen 80 und 95 Prozent. „Dies gilt allerdings nur dann, wenn das Karzinom in einem frühen Stadium erkannt wird“, weist Sommerhuber noch einmal auf die Wichtigkeit der jährlichen PSA-Wert-Bestimmung hin: „Neue Testverfahren helfen uns dabei, den Wert besser zu interpretieren, was wesentlich zur Früherkennung des Prostatakarzinoms und damit zur erfolgreichen Behandlung beiträgt.“
„Für uns Urologen ist dieser Test eine wertvolle Hilfe in der Diagnostik des Prostatakarzinoms“, sagt er abschließend.

@FOTO: FOTOLIA.DE

Unser Interviewpartner:

OA Dr. Andreas Sommerhuber,
Prostatazentrum am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz

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