Schwarzer Hautkrebs

In vielen Fällen heilbar

Je früher eine tumoröse Veränderung erkannt wird, desto eher kann erfolgreich therapiert werden. Daher sollte sich jeder einer jährlichen Hautinspektion beim Dermatologen unterziehen.

Seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts steigen die Neuerkrankungen rapide an. So erkrankten 2011 in Österreich 5.174 Menschen an schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, wobei von einer erheblichen Anzahl nicht erfasster Fälle ausgegangen werden muss. Die Ursachen für diesen Anstieg liegen auf der Hand – und konnten inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen werden: „Exzessive Sonnenbestrahlung – vor allem in Kindheit und Jugend – und viele Sonnenbrände erhöhen das Risiko, in höherem Lebensalter an einem malignen Melanom zu erkranken“, deutlich, berichtet Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller von der Universitätshautklinik an der MedUni Wien. „Kinder und Jugendliche müssen vor zu viel Sonne unbedingt geschützt werden“, warnt Dermatologe Höller: „Häufiges Eincremen mit hohem Lichtschutzfaktor sollte Pflicht sein.“ Dies gilt übrigens auch für Erwachsene, denn Sonnenbrände wirken kumulativ: Je häufiger jemand einen Sonnenbrand hat, desto höher wird das Risiko für ein malignes Melanom. Personen, die sehr viele Muttermale und helle Haut haben, sollten unbedingt einmal jährlich zum Hautarzt, um eventuelle Auffälligkeiten so früh wie möglich zu entdecken. Dies umfasst die Hautinspektion am ganzen Körper mit freiem Auge sowie mit Hilfe der Auflichtmikroskopie.

Früherkennung ist alles!

Je früher eine auffällige Hautveränderung entdeckt wird, desto besser sind auch die Heilungschancen. Mittlerweile können mehr als 90 Prozent der Melanome durch chirurgische Entfernung geheilt werden. „Dabei wird nicht nur das veränderte Gewebe, sondern in einer zweiten Operation auch gesunde Haut rund um den Tumor herausgeschnitten. Zuerst muss aber abgeklärt werden, wie groß der Tumor ist und wie tief er bereits in die Haut eingedrungen ist. Zwischen 0,5 und einen Zentimeter beträgt das Areal rund um das erkrankte Gewebe, das mit dem Tumor entfernt wird, wenn er unter zwei Millimeter groß ist. Bei dickeren Tumoren wird ein Sicherheitsabstand von zwei Zentimetern eingehalten.
Der Eingriff erfolgt normalerweise unter Lokalanästhesie. Danach wird das entfernte Gewebe im Labor untersucht. Stellt sich dabei heraus, dass Krebszellen vorhanden sind, erfolgen weitere diagnostische Schritte.

Was sagt der Wächterlymphknoten?

„Bei einer Eindringtiefe unter einem Millimeter kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Heilung durch die Operation rechnen – mit zunehmender Dicke des Tumors steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor bereits Metastasen gebildet hat“, so Höller.
Um schwarzen Hautkrebs nach dem letzten Stand der Wissenschaft zu behandeln, wird bei einer Tumordicke von über einem Millimeter angeraten, auch den sogenannte „Wächterlymphknoten“ zu entfernen. Denn meist streut der Tumor zuerst in die nächstgelegenen Lymphknoten. Ist der „Wächterlymphknoten“ bereits befallen, werden alle Lymphknoten in der Nähe des Tumors entfernt, um eine weitere Metastasenbildung möglichst zu verhindern.

Wichtig sind regelmäßige Kontrollen im Rahmen eines Tumor-Nachsorgeprogramms beim Hautarzt über 10 Jahre, damit eventuell wieder auftretende tumoröse Hautveränderungen so früh wie möglich erkannt und entfernt werden können. Liegt ein höheres Risiko für eine Metastasierung vor, wird Interferon Alpha, ein körpereigener Botenstoff, der Abwehrzellen aktivieren kann, zur vorbeugenden Behandlung eingesetzt. In mehreren Metaanalysen konnte ein Effekt auf das krankheitsfreie Überleben der Patienten gezeigt werden. „Deshalb raten wir allen Patienten, die eine Tumordicke von mehr als 1,5 Millimeter oder Lymphknotenmetastasen aufweisen, zu dieser Behandlung“, sagt Höller: „Sie wird anschließend an die chirurgische Entfernung des betroffenen Hautareals und der Lymphknoten durchgeführt.“ Bis vor wenigen Jahren war bei Metastasenbildungen in Organen nur die Durchführung einer Chemotherapie möglich. „Die hat aber keinen bewiesenen Effekt auf das Fortschreiten der Erkrankung gebracht“, bedauert Höller.

Neue Therapiestrategien

Ebenfalls bereits im Einsatz sind neue Substanzen, die gezielt auf genetische Veränderungen im Tumor abzielen, wie etwa die B-Raf-Inhibitoren Vemurafenib oder Dabrafenib. Etwa 50 Prozent der Hautkrebspatienten weisen eine genetische Veränderung auf, welche das Wachstum des Tumors antreibt und auf die die Substanzen abzielen.
B-Raf Inhibitoren zeigen durch den direkten Angriff am Tumor bei vielen Patienten ein rasches Ansprechen mit ausgeprägter Rückbildung der Metastasen, in einigen Fällen kommt es sogar zu einem kompletten Verschwinden des Tumors.
Allerdings kommt es unter der Behandlung mit diesen Substanzen manchmal schon nach einigen Monaten zum Auftreten von Resistenzen – das bedeutet, der Tumor lernt, die Wirkung des Medikaments abzuwehren.

Eine weitere therapeutische Möglichkeit ist die Immuntherapie. Diese wirkt nicht direkt auf den Tumor, sondern auf die T-Zellen des Immunsystems. Deren Aktivität wird durch fördernde und hemmende Signale gesteuert. Bei einer Krebserkrankung kann die Aktivität der T-Zellen nicht ausreichend sein, um den Tumor anzugreifen, sie kann sogar von den Tumorzellen blockiert werden. Sie können ihre Arbeit, die Abwehr der Tumorzellen, daher nicht mehr ausführen. Ipilimumab, ein Antikörper, der 2011 zugelassen wurde und gute Erfolge erzielen konnte blockiert einen hemmenden Schalter auf
T-Zellen, sodass das Immunsystem sich wieder erfolgreich der Krebsbekämpfung widmen kann. In Studien konnte gezeigt werden, dass mit dieser Immuntherapie bei einem Teil der Patienten ein langfristiges Überleben erzielt werden kann. Allerdings kann es einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das Immunsystem in der Lage ist den Tumor zu kontrollieren. Die Immuntherapie sollte daher möglichst frühzeitig eingesetzt werden, um effektiv zu sein.
Mittlerweile werden weitere Antikörper und auch direkt die Tumorzelle angreifende Substanzen in Studien untersucht: „Wir rechnen in den kommenden Jahren mit mehreren neuen Therapieoptionen, um auch lebensbedrohliche Tumore unter Kontrolle oder ganz zum Verschwinden zu bringen“, meint Höller.

@FOTO: FOTOLIA.DE

Unser Interviewpartner:

Univ.-Prof. Dr. Christoph Höller,
Universitätsklinik Wien

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