Weißer Hautkrebs

Häufig und immer noch unterschätzt

Das Basaliom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Österreich. Jährlich werden etwa 20.000 bis 30.000 neue Fälle diagnostiziert. Eine State-of-the-Art-Behandlung der Hautkrebsform ist allerdings (fast) nur in großen Zentren möglich.

Fast jeder zweite über Sechzigjährige in Österreich erkrankt an weißem Hautkrebs. Dabei werden zwei Formen unterschieden: Die aktinische Keratose gilt als eine Frühform des weißen Hautkrebses. Erst wenn die Tumorzellen von der Oberfläche in die Tiefe wachsen, spricht man von einem invasiven Hautkrebs. Die Frühform des weißen Hautkrebses manifestiert sich an sonnenexponierten Arealen wie dem Gesicht, hier insbesondere dem Stirnbereich und bei Männern auch an haarlosen Stellen am Kopf. Aktinische Keratosen präsentieren sich als Hautstellen, die sich rau anfühlen, wenn man mit den Fingern darüber streicht. „Wenn eine solche raue Stelle mehr als zwei bis drei Wochen zu fühlen ist, sollte der Betroffene einen Facharzt für Dermatologie aufsuchen“, rät Univ.-Prof. Dr. Alexis Sidoroff von der Universitätshautklinik der Medizinischen Universität Innsbruck.

Ausschlussdiagnostik

Bevor die Diagnose eines weißen Hautkrebses gestellt wird, müssen andere Erscheinungsbilder ausgeschlossen werden. Dazu gehören beispielsweise Altersflecken, Warzen, eine Pilzinfektion der Haut, Ekzeme, Schuppenflechte und bösartige Tumoren anderer Art. Wenn die Diagnose gesichert ist, wird in einfachen, milden Fällen das betroffene Gewebe mit flüssigem Stickstoff vereist, erklärt Alexis Sidoroff. „Allerdings sehen wir aktinische Keratosen inzwischen nicht mehr als Einzelerkrankung“, fährt der Dermatologe fort: „Inzwischen gehen wir vom Konzept der „field cancerisation“ aus – das bedeutet, einzelne aktinische Keratosen stellen lediglich die Spitze des Eisbergs dar.“ Betroffen ist also meist eine ganze Region, weil hier die Exposition mit Sonnenlicht eines ganzen Lebens eine Rolle spielt.
Wenn größere Regionen auf der Haut von aktinischen Keratosen befallen sind oder bereits ein invasives Karzinom, ein sogenanntes Basaliom, entstanden ist, stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. „Da wäre zum einen die lokale Behandlung mit einem Chemotherapeutikum in Cremeform“, sagt Sidoroff. „5-Fluorouracil wird dabei über zwei bis drei Wochen auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.“

Das Medikament zerstört die Krebszellen und führt so zu einer Heilung der Erkrankung. Die Substanz hat allerdings auch Nachteile: „Sie führt zu einer recht heftigen Entzündung – das sieht nicht nur scheußlich aus, es tut auch über einen längeren Zeitraum weh“, weiß Sidoroff.
Eine andere therapeutische Möglichkeit ist die ebenfalls lokale Anwendung des Immunmodulators Imiquimod. Immunmodulatoren bekämpfen die Krebszellen nicht selbst, sie regen vielmehr das Immunsystem dazu an, gegen die bösartigen Zellen vorzugehen. Auch hier wird eine Entzündung provoziert, die letztlich zur Abheilung der betroffenen Hautstellen führt.
Zu den neuesten Therapieoptionen zur Behandlung von Weißem Hautkrebs zählt ein Extrakt aus der Wolfsmilchpflanze. Das Präparat mit dem Substanznamen Ingenol Mebutat bringt – im Vergleich zu bisher vorhandenen Medikamenten – eine raschere Besserung und weniger Nebenwirkungen.

Elegante Therapieform

Zu den Behandlungsmöglichkeiten, die nicht nur sehr gut wirksam sind, sondern auch exzellente kosmetische Ergebnisse liefern, zählt die photo­dynamische Therapie (PDT). Dabei werden die erkrankten Hautareale mit einer photosensitivierenden Substanz bestrichen. Die Substanz reichert sich selektiv in den Tumorzellen an und macht diese lichtempfindlich. Danach werden die Stellen mit rotem Licht bestrahlt. Gemeinsam mit dem im Gewebe vorhandenen Sauerstoff erzeugt das Licht giftige Substanzen, die ausschließlich den Tumor schädigen. „Betrachtet man internationale Studien und Richtlinien von Fachgesellschaften, so gilt die photodynamische Therapie für oberflächliche Formen des weißen Hautkrebses als Behandlung der ersten Wahl“, hält Sidoroff fest.

Derzeit kann die photodynamische Therapie an den Universitätshautkliniken in Innsbruck, Salzburg, Graz und Wien und an einigen Krankenanstalten durchgeführt werden. „Teilweise bieten seit Kurzem auch niedergelassene DermatologInnen diese Form der Behandlung an“, sagt Sidoroff: „Allerdings muss der Patient die Therapie aus eigener Tasche bezahlen.“
Besonders für eine Form des weißen Hautkrebses gilt die photodynamische Therapie als Mittel der ersten Wahl. „Beim Morbus Bowen sind oft größere Hautareale an ungünstigen Stellen, wie etwa dem Unterschenkel, betroffen“, erläutert Sidoroff.
„Hier können die befallenen Stellen mit der photodynamischen Therapie oft spurlos zur Abheilung gebracht werden.“ Kann diese Therapieform nicht angewendet werden, sind häufig entstellende Hauttransplantationen notwendig.
Auch wenn bösartige Hautveränderungen mittlerweile in über 90 Prozent der Fälle zum Verschwinden gebracht werden können, sollten danach regelmäßige Verlaufskontrollen stattfinden. „Nur weil die befallen Stellen entfernt wurden, heißt das nicht, dass nicht wieder Veränderungen auftreten können“, hält Sidoroff fest: „Wer einmal einen weißen Hautkrebs hatte, sollte alle drei Monate zur Kontrolle zum Dermatologen gehen.“

Krebsprophylaxe

Weißer Hautkrebs könnte in den meisten Fällen vermieden werden – wenn auf die Sonnenexposition geachtet würde. „Konsequenter Sonnenschutz ist die wichtigste Prophylaxe. Wer sein Leben lang jeden Sommer ausgiebige Sonnenbäder genommen hat, trägt essenziell dazu bei, weißen Hautkrebs zu entwickeln“, resümiert Sidoroff abschließend.

@FOTO: 123RF

Was ist ein …

Plattenepithelkarzinom?
Darunter fallen oberflächliche aktinische Keratosen, invasive Plattenepithelkarzinome und die Sonderform des Morbus Bowen.

Basaliom?
Dazu gehören oberflächliche oder knotige Varianten.

Unser Interviewpartner:

Alexis Sidoroff,
Universitätshautklinik der Medizinischen Universität
Innsbruck

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